Lebkuchen backen


Alle Jahre wieder um diese Zeit flattert die Terminerinnerung auf mein Handy. Per SMS fragt mich eine gute Freundin, ob wir auch in diesem Jahr wieder gemeinsam unsere Lebkuchen backen. Und dann sehe ich zu, mich auch dieses Jahr wieder für zwei Abende dafür frei zu machen. Schließlich gibt es diese Lebkuchen nur, wenn wir gemeinsam an die Arbeit gehen! Dann suchen wir das alte fränkische Rezept heraus und besorgen die Zutaten (von denen ich hier nur eine verrate: sechs geriebene „Bamberger Hörnchen“ müssen hinein). Dann mischen wir den Teig zusammen und backen unsere 33 Lebkuchen – die genaue Zahl variiert je nachdem, wie akkurat wir in diesem Jahr die Teigmasse in ei-ner leichten Wölbung auf den runden Oblaten mit dem Messer verstreichen … Schnell füllt der wunderbare Duft aus dem Herd die Wohnung, drei Bleche mit Lebkuchen hintereinander sind es insgesamt. Am nächsten Tag wird glasiert oder schokoliert. Und dann kommen die guten Stücke in die Blechdosen und dürfen bis Weihnachten warten. Denn sie sind Weihnachtsgebäck, das dann besonders gut schmeckt, wenn ich in der Adventszeit darauf verzichte …

In der verkürzten Adventszeit dieses Jahres muss ich mir die Zeit fürs Backen eigens reservieren. Der vierte Advent fällt heuer auf den Heiligen Abend, der Kirchenvorstand hat deshalb entschieden, dass es deshalb keinen Adventsgottesdienst am Vormittag des 24.12. geben soll. Wo wir doch an diesem Tag dann am Nachmittag ab 14 Uhr zur Weihnachtsfeier in die Kirchen und ins Gemeindehaus einladen. Also bleiben fürs Backen nur knappe drei Wochen …

Neben den Lebkuchen gibt es in der Adventsbackstube im Hause Koch auch noch Plätzchen, ebenfalls nach einem alten Familienrezept. Die Besonderheit daran: als ihr Triebmittel dient nicht Hefe, um den Teig leichter zu machen. Hefe oder Sauerteig würden ihn biologisch lockern, wie sie das bei meinem Brot tun. Für Kuchen braucht man in der Regel etwas zur chemischen Lockerung, genauer Backpulver (für viele Rührkuchen), Hirschhornsalz (für Mürbteig oder Lebkuchen) oder Pottasche (für Honigkuchen). Letztere ist gar nicht so leicht zu bekommen, macht aber meine Honigkuchenplätzchen schön fluffig und leicht.

Von den Honigkuchenplätzchen ist es dann nur noch ein Gedankensprung zum Honigkuchenpferd und seinem sprichwörtlichen Lächeln über das ganze Gesicht. Bei aller Düsternis und Schwere, die in der Zeit des November und Dezember manchmal auf Land und Leuten liegt: das Ziel aller Vorbereitung im Advent und auch meiner Backstubenstunden ist das Weihnachtsfest, dessen Freude über das neue Leben in der Krippe mich freilich auch dann anstecken wird, wenn es in diesem Jahr gar nicht zum eigenen Backen gereicht hätte.

Pfarrer Dr. Stefan Koch









Der Herbst ist eine Zeit zum Abschiednehmen

Lukas 13,30 Monatsspruch September 2017

Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: Es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke, Herbst, in: ders., Das Buch der Bilder, 1902

Der Herbst ist eine Zeit zum Abschiednehmen – so klingt es an in diesem, beinahe jedem bekanntes Gedicht von Rainer Maria Rilke.

Meine Frau und ich nehmen Abschied von der evangelischen Gemeinde hier in Starnberg, traurig und dankbar, mit vielen Gesichtern und Lebenserzählungen die sich uns eingeprägt haben und uns begleiten werden.
Wir alle fallen … in manchen dunklen Nächten und Träumen macht uns das Angst, geradezu körperlich kann das spürbar werden. Die gegenwärtige gesellschaftliche Stimmung trägt nicht dazu bei, beschwingt in die Zukunft zu gehen, geradezu unappetitliche Stimmungen werden erzeugt, systematische Angst- und Panikmache: Rattenfänger sind unterwegs … Sollen wir vergessen, was uns zugesagt ist:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir? (nach Jes 43,1)

In wenigen Tagen habe ich meine letzte Taufe hier in meiner Dienstzeit. Josefine wird getauft und ihr Taufspruch (ein sehr bekannter) lautet:

Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Ps 91,11f

Es sind diese Worte der Heiligen Schrift, die uns herausholen aus der Angst vor einem Fallen, die uns ausrichten auf die Zuversicht gehalten zu sein und behütet von einem Gott, der mehr ist als alle menschlichen Ideologien die zurzeit nach uns greifen.

Bleiben Sie behütet
Ihr Pfarrer Hans Martin Schroeder









"Nachgedacht: Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein."

Lukas 13,30 Monatsspruch September 2017

 

Dieser Satz Jesu ist nicht weniger als die Umkehrung der Welt. Die meisten kennen diesen Satz, der ja beinahe schon zu einem geflügelten Wort geworden ist, eher aus dem Evangelium des Matthäus, wo Jesus ihn am Ende eines äußerst ärgerlichen Gleichnisses von äußerst verärgerten Tagelöhnern sagt. Hier, im Evangelium des Lukas, geht es um einen ähnlichen Sachverhalt, nämlich um den Himmel und um die vielen Menschenfragen, wer denn da wohl hineinkommt, wer selig wird und wer der Erste sein wird, der in Gottes Reich darf. Wer Gott oder Jesus so etwas fragt, erwartet eine klare Antwort. Und zwar ungefähr diese hier: Du, der du mich jetzt fragst, wirst natürlich der Erste sein, der zu mir in den Himmel darf. Genau das aber sagt Jesus nicht. Im Gegenteil; er kehrt die Welt um und sagt: Im Himmel könnten die Letzten zu Ersten werden.

Das ist bitter für die, die sich angestrengt haben, in den Himmel zu kommen. Die, ihrer persönlichen Ansicht nach, viel dazu getan haben, Gott zu gefallen. Und dann auch von Gott etwas erwarten. Nämlich eine Belohnung. Wenn die nicht schon auf Erden kommt, dann kommt sie eben im Himmel. Wer sich genau prüft, wird bemerken, dass ein solches stilles Handeln mit Gott weitverbreitet ist und etwa so klingt: Lieber Gott, ich habe doch dies und das getan oder gelassen, jetzt könntest du mir doch dies und das geben. Oder, andersherum: Lieber Gott, ich war doch oft gut, dann könntest du mir doch jetzt das Schlechte ersparen.

Solches Handeln mit Gott, sagt Jesus, verbietet sich. Wer es dennoch tut, könnte sich noch sehr wundern. Womöglich gehört er nicht zu den Ersten, wozu er gefühlt gehört, jedenfalls nach eigener Ansicht. Ebenso könnten sich die wundern, die meinen, immer und überall die Letzten gewesen zu sein und sogar im Himmel zu bleiben. Auf einmal stehen die Letzten ganz vorn. Viele werden sich wundern. Der ganze Himmel wird zum Wunder, wenn man an die Ordnungen der Welt denkt. Keine meiner Erwartungen und Rechnungen wird im Himmel aufgehen. Der Himmel ist eine seitenverkehrte Erde. In allem.

Behüt‘ Sie Gott
Pfarrer Hans Martin Schroeder









"Nachgedacht: Wandel heißt Wandern"

 

Die Natur führt es uns vor Augen: das Wachsen und Vergehen, der Wechsel von Hell und Dunkel, die Veränderung, die allem eigen ist, was biologischer Natur ist. Wer aufmerksam lebt, findet Beispiele der Neuordnung, aber nicht nur in der Natur. Man findet sie auch in unserem Miteinander, in unserer Gesellschaft, in den Auswirkungen technischer Errungenschaften, in den immer neuen Formen der Kommunikation.

Im Deutschen werden diese Beobachtungen auch unter der Überschrift des „Wandels“ diskutiert. Wir sprechen vom „demographischen Wandel“, vom „Klimawandel“ oder vom „Wandel der Werte“. In diesem alten Wort „Wandel“ ist ein Aspekt enthalten, der über eine naturgegebene Veränderung hinausgeht. Es ist der Weggedanke: das Gehen und Wandern, die Bewegung und das sich immer wieder neu Ausrichten. Um diesen Aspekt geht es auch, wenn wir im Glauben vom „Wandel“, „Wandeln“ und von „Verwandlung“ sprechen. Martin Luther greift in seiner Bibelübersetzung gerne auf dieses Wort zurück. So lesen wir in Joh 8,12: Jesus spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Das zugrundeliegende griechische Verb beschreibt ein Hin- und Hergehen, das in Bewegung stattfindende Betrachten eines Sachverhalts von allen Seiten, ein „wallen“ - also eine Erfahrung, die bis heute in dem Wort „Wallfahrt“ enthalten ist. Hier gilt: Reisen wie diese geben eine Deutung des Lebens. Sie beschreiben das Leben als ein Werden, als Reifung in der Zeit, als Prozess, der durch Begegnung zur Veränderung führt. Begegnung auch mit dem Mensch gewordenen Wort Gottes, das uns gerade nicht fixiert, sondern begleitet auf unseren je eigenen Wegen. Und das befähigt, mit Verstand und Gottvertrauen am Prozess des Lebens teilzunehmen.

Birgit Reichenbacher
Pfarrerin









"Gebet für Liebende"

 

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“
Monatsspruch für den Juli aus dem Brief an die Philipper, Kapitel 1 Vers 9

Der Bibelvers für den siebten Monat im Jahr klingt etwas kirchlich. Es geht offensichtlich um das Gebet für Liebende. Und diese Liebenden sollen durch das Gebet „reicher werden“ – nun freilich nicht an ihrer Liebe zueinander, sondern an „Erkenntnis“ und „aller Erfahrung“.

Bei vielen Hochzeiten merke ich, dass der Satz aus dem Brief des Apostels Paulus den beteiligten Menschen eine wichtige Perspektive erschließt. Oft helfen mir die Trauzeugen von Braut und Bräutigam bei den Fürbitten, die wir für das Paar, für ihre Eltern und Familien, und für die Gäste sprechen. Mag dabei manchmal auch deutlich werden, wie wenig geübt manche Menschen beim Gebet für die Liebe sind: in diesem Moment in der kirchlichen Trauung sind die Konzentration der Anwesenden und die gesammelte Stille oft besonders groß. Das Gebet für die Liebenden reicht schließlich auch weiter als das, was den glücklichen Hochzeitern an diesem Tag von Ihren Feiergästen gewünscht wird.

Ebenso können mit den Liebenden im Philipperbrief Eltern gemeint sein, die ihre Kinder aufwachsen sehen und am Abend mit ihnen das Gebet zur guten Nacht pflegen. Oder Menschen in der Lebensmitte, die sich zusammen mit ihren älter werdenden Eltern neue Aufgaben der liebevollen Begleitung stellen. Am Sonntag beim Gottesdienst im Pflegeheim des Rummelsberger Stiftes in Söcking hat eine Tochter das Vaterunser mit ihrer alten Mutter besonders deutlich mitgesprochen und sie dabei an der Hand gehalten. So konnte die alte Dame das Gebet, das sie sicher von Jugend an gewohnt war, körperlich erinnern und mitsprechen.

In unserer Gemeinde tut seit langen Jahren ein treuer Gebetskreis seinen Dienst. Am Abend des letzten Mittwochs im Monat nimmt er – ich weiß das und es tut mir gut – auch uns Pfarrer ins Gebet. Damit erfüllt der Kreis das, was der Apostel Paulus den Christen in Philippi schreibt, besonders schön. In der Friedenskirche schreiben Menschen immer wieder ihre Anliegen auf Zettel, die sie an der Wand rechts vom Eingang anstecken. Im Gottesdienst am Sonntag nehmen wir diese Zettel dann in unser großes Fürbittengebet.

Auch Sie sollen wissen, dass im Gebet Ihrer Kirchengemeinde Raum für Sie und Ihre Anliegen ist. Jedes Mal, wenn die Glocke zum Vaterunser läutet, denken wir an Sie und beten für Sie, damit auch Ihre Liebe „immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“

Ihr  Pfarrer Dr. Stefan Koch 









"Pfingsten"

 

Endlich Ferien! Pfingstferien! Was aber ist Pfingsten? Das kirchliche Fest, das diese Feier- und Ferientage begründet, ist weniger greifbar als z.B. Weihnachten, Ostern, Erntedank oder auch der St. Martinstag. Das zeigt sich schon an den kulinarischen Gütern, die den Festen zugeordnet werden. Wo dort der Weihnachtsstollen, die bemalten Ostereier, das Brot oder die Martinsgans den Festtisch schmücken, bleibt das Pfingstfest ohne genießbare Symbole. Entsprechend dünn ist auch das Brauchtum für das Pfingstfest ausgebildet. An manchen Ort brennt immerhin ein Pfingstfeuer und in seltenen Fällen wird in der Kirche während der Pfingstliturgie eine hölzerne Taube herabgelassen oder gar eine lebendige Taube freigelassen.

Genau das aber entspricht der Bedeutung dieses Festes: Der Geist Gottes, dessen Gabe weltweit an Pfingsten gefeiert wird, ist eben eine Zusage, die nicht mit Händen gefasst und die auch nicht vereinnahmt werden kann. Und trotzdem ist diese Zusage im Leben spürbar und erfahrbar. Mehr noch: sie begründet Leben. Die biblischen Autoren beschreiben dies in verschiedenen Bildern: im ersten Buch der Bibel ist zu lesen, dass der Menschen erst durch Geist, den Gott ihm einhaucht, von einer plumpen Masse zum Leben befördert wird. Und Paulus beschreibt im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth den Geist Gottes als die Kraft der Unterscheidung zwischen den Alternativen, die sich uns immer wieder stellen. Ohne diese Fähigkeit wären wir den Geistern unser Zeit ausgeliefert. Wir würden auf jeder Welle des jeweiligen Zeitgeistes mitschwimmen, von einem Sinnangebot zum nächsten laufen und doch nicht glücklich werden. Angesichts der immer komplexer werdenden Welt ist es tatsächlich lebensnotwenig, eine Kraft zu bekommen, die uns befähigt, die Geister zu unterscheiden und uns ermutigt, für unsere Überzeugungen einzustehen, auch wenn diese noch so unpopulär sein sollten. Die Geschichte der Christenheit bietet viele Beispiele, wie Menschen diese Kraft zuteil geworden ist und zuteil wird. Und das ist Grund genug, das Pfingstfest zu feiern!

Mit guten Wünschen für die Ferien!
Birgit Reichenbacher
Pfarrerin









"Alles neu"

 

Gibt es einen Monat mit mehr Weisheit? Dass der Mai so viel neu macht, ist meine liebste Kalenderweisheit:

Alles neu macht der Mai
macht die Seele frisch und frei,
kommt heraus, lasst das Haus,
windet einen Strauß!
Rings erglänzte Sonnenschein,
duftend prangen Flur und Hain,
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang.

Hermann Adam von Kamp, von Beruf Lehrer, hat dieses Kindergedicht 1818 ver-fasst. In diesem Jahr vor fast zwei Jahrhunderten bekommt Bayern eine neue Ver-fassung, Preußen schafft sich per Gesetz einen zollfreien Binnenmarkt, es entsteht die Tabelle mit den Atomgewichten – und an Weihnachten wird zum ersten Mal „Stille Nacht“ gesungen.

Derweil nimmt der Schulmeister aus Broich nahe Mülheim an der Ruhr uns mit ins Grüne. Endlich sind die Aprilwetter vorbei, man muss sich nicht mehr daheim ver-kriechen, weil es draußen zu ungemütlich ist. Dass ein sonniger Spaziergang das Gemüt erfrischt und die Gedanken befreien kann, dieses Wissen teilt Kamp mit eini-gen großen Philosophen seines Jahrhunderts. In Gedanken wandern wir durch eine Natur voller Leben: Vögel singen, was sie bekanntlich besonders gerne am Abend und am Morgen tun. Hörner begleiten eine Jagd. Es geht durch den Wald und über sonnige Wege. In der folgenden Strophe durchschreiten wir Felder und Haine, hören sprudelnden Quellen zu und sehen Familien auf dem weichen Moos vom Spaziergang ausruhen. Und die gute Laune unterwegs ist ansteckend, wie die letzte Strophe des Liedes verkündet: „Hier und dort, fort und fort, wo wir ziehen, Ort für Ort, weit und breit, alles freut sich der schönen Zeit. Stimmet Jubellieder an! Singe jeder wie er kann: Alles neu, frisch und frei macht der holde Mai.“

Es ist Ansichtssache, ob wir auch 199 Jahre später wieder in einer Zeit leben, in der wir frohgemut in das Neue aufbrechen, das vor uns liegt, nachdem die „Nacht des Winters“ vorüber ist. Die allgemeine Stimmungslage scheint mehr von Zögern und Unsicherheit beherrscht. Aber worauf warten wir? Im christlichen Glauben sind seit Ostern die Segel gesetzt, in ein neues Leben in der Gewissheit der Auferstehung aufzubrechen. Und auch die Natur, Gottes gute Schöpfung, macht es uns vor, in ihr dominiert mit dem Grün die Farbe der Hoffnung.

Von Hermann Adam von Kamp mag man auch lernen, dass man besser zu zweit aufbricht als alleine. Sein Lied ist die direkte Aufforderung, uns an der Hand mitnehmen zu lassen. Indirekt ermutigt es uns zugleich, selbst die Hand auszustrecken und auch andere ins Hoffnungsgrün mitzunehmen, die vielleicht noch zögerlich auf dem Boden ihrer Tatsachen sitzen. Womöglich wartet an der nächsten Ecke ein Mensch, dem nur noch unser Impuls zu einem belebenden Wonnemonat Mai gefehlt hat?

Pfarrer Dr. Stefan Koch









"Sieben Wochen ohne sofort"

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist immer wieder ein Entschluss:
„7 Wochen ohne“

Ich stelle mich darauf ein zu fasten. Das Übliche eben: Alkohol, Süßigkeiten, Fernsehen, Smartphone und was dergleichen Laster noch mehr sind. Ich werde das schaffen, ich reiße mich zusammen! Sieben Wochen, das muss doch zu schaffen sein! Und – darf man nicht an den Sonntagen fastenbrechen?

Augenblick mal!

In diesem Jahr:
SIEBEN WOCHEN OHNE SOFORT
1. März bis 16. April

Ohne „sofort“
Und es ist mir doch so wichtig, dass alles sofort sein muss!
Ich will, dass geschieht, was ich will.
Und das sofort.
Ein „Beschleunigungsfasten“ also.
In diesen postfaktischen Zeiten, in denen ohne wirklich nachzudenken Meinungen ungeprüft weitergeleitet werden, d.h. eben keine Fakten, sondern nur momentane Stimmungen zählen, wäre es ein Segen innezuhalten, nachzudenken, und nicht sofort „aus dem Bauch heraus“ zu reagieren.

Ich werde Gott um Besonnenheit bitten, Ruhe, um gut entscheiden zu können, den Glauben, um standzuhalten und Liebe um Menschen wirklich wahrzunehmen.

Behüt‘ Sie Gott
Pfarrer Hans Martin Schroeder









"Jugendgottestdienst"

 

Es ist 11 Uhr. Letzte Gottesdienstteilnehmer schieben sich in das bereits gut gefüllte Carolinenhaus, wo Jugendliche sich umarmend begrüßen und Gesangbücher verteilt werden. Wie immer bei den Jugendgottesdiensten sind alle gespannt und voller Vorfreude. Denn man weiß: diese Gottesdienste, die von den Jugendlichen selbst gestaltet werden, sind anders – humorvoll, unkonventionell und tiefgründig zugleich. Unerwartet ist dann auch gleich der Einstieg. Eine Jugendliche tritt vor den Altar und stellt sich als Günther Jauch vor. Sie begrüßt das „Publikum“ und ihre beiden Gäste, die sich im Rahmen der Quizz-Show „Wer wird Millionär“ den Fragen der Moderatorin stellen werden. Schnell merkt die Gemeinde, dass sich die beiden Kandidatinnen nicht wohl fühlen. Sie haben schon Mühe mit den einfachen Fragen und scheitern schließlich beide an der letzten, alles entscheidenden Frage. Die Moderation reagiert wenig feinfühlig und meint am Schluss: „Trösten Sie sich. Es geht immer noch dümmer!“ Das sitzt! Die Gemeinde schaut betroffen auf die Szene. Nun wissen Konfirmanden und Erwachsene, um was es in diesem Gottesdienst geht: Es geht darum, was uns die Leute einreden, was wir uns auch selbst einreden, einbilden und schließlich glauben. „Seltsamerweise“ so überlegte eine andere Jugendliche in der Predigt „sind es ja eher die negativen Einreden, die uns ins Herz treffen und uns so bestimmen, dass wir schlecht drauf sind. Es sind Sätze wie ‚Das kannst Du nicht! Dafür fehlt Dir das Talent‘ oder „Wenn Du Ausstrahlung hättest, hättest Du vielleicht eine Chance“ die uns festlegen und binden. Wie aber kann man dem begegnen, was können wir dem entgegenhalten, was so viel Macht über uns hat?“

Es ist die Jahreslosung für 2017, die den Jugendlichen den entscheidenden Impuls für eine Antwort liefert. Diese steht im alttestamentlichen Buch des Propheten Ezechiel (36,26): Gott spricht: Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch.

„Sätze wie dieser“ – so fährt die Predigerin fort – „beinhalten Worte, die unsere Wirklichkeit durchbrechen können. An solche Worte können wir uns halten, wenn alle auf uns einreden. Als Menschen, die sich an diesen Gott halten, sind wir ausgerüstet mit einem Herzen, das sich nicht entmutigen lassen muss. Wenn wir solche Sätze auf uns wirken lassen, dann ist das so etwas wie eine geistliche Nahrung, die davor bewahrt, dass wir jedem Trend, jedem Zeitgeist hinterherlaufen müssen, um uns zu beweisen.“

Auch diese Botschaft kommt an. Gerade weil sie auf Erfahrungen gründet, die real und authentisch sind, hören Konfirmanden und Erwachsene gleichermaßen den Zuspruch, der vor und über allen Einreden unserer Wirklichkeit steht. Ein neues Herz, ein neuer Geist ist uns gegeben, auf dass auch wir uns immer wieder neu annehmen und verstehen können, und aus diesem neuen Selbstverständnis herzlich und geistreich unser Leben gestalten.

Ihre
Pfarrerin B. Reichenbacher

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