Kolumne November 2018











Erinnerungskultur

Der November hat als Monat sein eigenes Gepräge. Für mich ist er zudem der Monat der Erinnerung. In vielfältiger Weise sind wir aufgerufen, der persönlichen, der familiären und gesellschaftlichen Vergangenheit zu gedenken und durch dieses Ge-denken für unsere Gegenwart Konsequenzen zu ziehen.

Am Ewigkeitssonntag, konkret am 25. November erinnern wir im Gottesdienst die im letzten Jahr verstorbenen Persönlichkeiten unserer Gemeinde. Mich persönlich be-rührt dieser Abschied auch deshalb, weil die Namen von Menschen vorgelesen wer-den, die ich ein Stück auf ihrem Weg begleiten durfte. Bei manchen von ihnen war mir sogar die Aufgabe übertragen, beim Abschiedsgottesdienst die würdigenden Worte über ihr Leben zu sprechen …

Am 21. November rufen wir im ökumenischen Gottesdienst am Buß- und Bettag zur Erinnerung daran auf, dass wir vor Gott unser Leben täglich neu empfangen und darüber demütig werden. Der Festprediger in der Friedenskirche ist auch in diesem Jahr wieder unser katholischer Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall. Ich habe ihn um eine Predigt zu dem Motto gebeten, das unsere evangelische Landeskirche in Bayern für dieses Jahr für den Buß- und Bettag ausgesucht hat: „Heute einen Krieg beenden“


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Am Volkstrauertag, den 18. November, erinnern die Stadt und der Landkreis an die Opfer der Weltkriege. Schon lange ist dieses Gedenken kein „Kriegergedenken“ mehr, sondern es sollen alle Opfer der Kriege und ihrer Folgen damals und heute angesprochen werden. Letztlich betrifft dies also auch die Menschen, die vor dem Krieg in Syrien zu uns fliehen …

Am Sonntag davor, den 11. November erinnern wir ab 17 Uhr in einer Veranstaltung der „Starnberger Dialogs“ an „100 Jahre Krieg und Frieden“, also das Ende des Ers-ten Weltkrieges. Wir beginnen mit einer historischen Erinnerung in der Friedenskirche in der Kaiser-Wilhelm-Straße 18, ziehen dann mit Kerzen und Lichtern auf den katholischen Kirchplatz in Starnberg und halten dort ab 18 Uhr eine Kundgebung ab. Mit dem Schweigen der Waffen nach vier Jahren in den Schützengräben wurde in Europa deutlich, dass dieser Krieg noch mehr zerstört hat, als die an sich schon überaus erschreckenden Zahlen der Kriegstoten und Verwundeten belegen. Der fol-gende Friedensschluss von Versailles wurde dann politisch derart einseitig interpre-tiert – er war vielleicht auch in sich nicht unproblematisch –, dass das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten den Anschein erwecken konnte, seine Politik richte sich gegen das Diktat dieses ungerechten Friedens.

Und am Freitag davor, am 9. November erinnern wir im Gottesdienst zusammen mit dem Kindergarten an den Heiligen Martin. An vielen Orten finden in unserer Gegend an diesem Tag solche Feiern in den Kindertagesstätten statt. Höhepunkt für viele ist dann der Lichterumzug der Kinder mit gebastelten Laternen. Von der Friedenskirche aus machen sich die Kinder und ihre Eltern nach einem Schattentheaterspiel zur Martinsgeschichte und dem Martinssegen mit ihren Laternen auf dem Weg, um ein Licht in die Welt zu tragen. Damit weisen uns die Kinder zugleich auf die Aufgabe hin, die wir alle haben:

„Tragt in die Welt nun en Licht
Sagt allen: ‚Fürchtet euch nicht!‘
Gott hat euch lieb – Groß und Klein!
Seht auf des Lichtes Schein …“

Ich wünsche Ihnen einen erinnerungsreichen November
Ihr
Pfarrer Dr. Stefan Koch